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Gerne setzt der Literat seinem Buch ein, zwei Zitate dem eigentlich Text voran. Bei dreivierteln der so Handelnden ärgert sich der Leser über die verschwendete Zeit des Überfliegens, da nur der Literat versteht, warum er sie da hin gesetzt hat, oder sich selbst schmeicheln will. Toine Heijmans bringt einen abgebrochenen Satz eines Mannes und zwei Sätze dessen Sohnes. Und sie machen pure Angst.
Ersteres ist der letzte Logbuch-Satz des gescheiterten Weltumseglers Donald Crowhurst. Er wollte mit allen Mitteln das Preisgeld eines Rennens gewinnen, um seinen finanziellen Ruin abzuwenden. Er gibt falsche Positionen durch und fälscht die Logbücher, die nach einsetzendem Wahnsinn immer mehr philosophischen Traktaten ähneln. Höchstwahrscheinlich stürzte er sich von Bord. Sein gefundenes Boot trug keine Marken einer Monsterwelle.
Zwei Sätze aus einem Interview mit seinem Sohn versuchen zu fassen, was da schief ging.
Ebensowenig, wie die Wissenschaft ein plausibles Berechnungsmodell für das Auftreten von Kaventsmännern hat, scheint geplantes Scheitern bei einem Menschen vorausberechenbar zu sein. Toine Heijmans ' Held und Solosegler 'Donald' nimmt drei Monate Auszeit vom Job, "Sabbatical", wie es sein Abteilungsleiter nennt, und macht sich auf, von Holland aus die Britischen Inseln zu umrunden. Beim Ankern in Dänemark, noch circa 48 Stunden Fahrt zurück in den Heimathafen, überredet er seine Frau, mit der siebenjährigen gemeinsamen Tochter dorthin zu fliegen, damit er mit der Tochter diese letzten beiden Tage heimsegeln kann.
Dem Leser mit Ahnung von Seemannschaft wird "Irrfahrt" sowieso gefallen. Dem Laien bürdet Heijmans nicht zuviel Technik auf, sondern genau so viel, dass er ihm eine Ahnung gibt vom strengen Reglement, dem sich jeder Seemann, der als Skipper fungiert, freiwillig unterwirft in einem ungeschriebenen Vertrag zwischen ihm und dem Element Meer. Das Unterlassen von nur einer, winzig erscheinenden, Pflicht kann zum Tod führen. Diese Gewissheit überträgt Toine Heijmans ziemlich schnell per Buch auch auf die letzte Landratte.
Wobei er kaum brachiale Bedrohung schildert. Unbehagen lässt er eher von hinten durch die Brust ins Auge aufkommen, wenn etwa die Ehefrau mit einem Leuchtturmwärter telefoniert, und der erklärt, ja, sie hätten sich etwas gewundert, dass Donalds Boot "Ismael" solange an einer gefährlichen Stelle Halt gemacht hätte; im Nachhinein betrachtet, sei es klug gewesen, denn auch die abgebrühten Leuchtturmleute würden so eine, danach auftretende, "sonderbare Böenwalze über dem Meer" auch nicht oft zu sehen kriegen ...
Langsam öffnet sich eine Schere zwischen dem liebevollen Zusammensein von Vater und Tochter auf dem Boot und einer merkwürdigen Zerstreutheit Donalds. Er lässt Dinge schleifen, die noch nicht direkt zu seemännischen Fehlern führen, aber in Kontrast zu seinem ausgeprägten Verantwortungsbewusstsein fürs Kind stehen. Er wölle der Tochter unter anderem beibringen, dass man im Leben keine Marionette sein müsse, erklärte er der Ehefrau die Reise. Dass es eine Welt mit anderen Regeln gäbe - auf dem Meer.
Nein, Toine Heijmans muss nicht stumpf mit Rückblenden arbeiten, um erahnen zu lassen, was in Donald arbeitet, sondern erledigt das zwischen den Zeilen und mit wenigen Gedankensplittern und dadurch, wie er Donald auf die Gegebenheiten der See reagieren lässt. Man wünscht diesem Seemann nur ein Quäntchen von der perfekten Kontrolle, die sein Erschaffer Toine Heijmans durchgängig bis zum fulminanten Ende über seine Geschichte beweist.
Besprochene Ausgabe: Arche | 2012 | 160 Seiten | Festeinband* | € 18,00
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