Karl Schroeder - Planet der Sonnen: Buchbesprechung Neue Bücher Romane Krimis Thriller Buchneuerscheinungen Bestseller Literatur

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Karl Schroeder Planet der Sonnen

Karl Schroeder - Planet der Sonnen (2010) - Orig.: Sun of Suns (2006), engl.

Piraten im Fastnacht
Man liest in internationalen Magazinen, das erste zu Deutsch erschienene Buch des Science-Fiction-Autors Karl Schroeder sei eines seiner schwächeren. Pech gehabt. Es ist tatsächlich banal und schlecht erzählt.  Von Franz Birkenhauer - sf magazin 04.02.2010
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In früheren Werken lotet Karl Schroeder die Implikationen von Multiplen Identitäten und eigenen Avataren aus und stellt Fragen nach der Identitätsstiftung. Das muss nicht immer Anspruch eines Science-Fiction-Romans sein, das Genre ist vielfältig. Doch wenn man dann den Schwenk vollzieht zum reinen Abenteuer-Roman, wie mit vorliegendem "Planet der Sonnen", dem Beginn der mittlerweile vierbändigen "Virga"-Serie, sollte man dafür das Handwerkszeug mitbringen um gut zu sein. Doch die Virga-Bücher spielen in einem kleinen, überschaubaren Spielzeug-Universum, einer nur 5000 Kilometer großen Ballon-Welt, in der sich die Bewohner der schwebenden Ring-Städte und zylindrischen, rotierenden Habitate gegenseitig bekriegen können, und das scheint wohl Serien-Freaks anzumachen.

Seine Mischung aus Steam Punk und Space Opera hält Schroeder in einer Art vor-aufklärerischen Welt, und denkt wohl, er kann sich damit auch allzu tiefe Charakterzeichnungen sparen bei seinen allesamt leicht tumb wirkenden Protagonisten. Stattdessen setzt er 150 Seiten lang erstmal auf infodumping - leider gibt es dafür kein so schönes deutsches Wort -, wohlmeinend nennen das andere Schriftsteller-Kollegen gutes Weltenbauen. Dabei ist er aber nichts weiter als ein Blender. Denn was als überbordende Phantasie daherkommen soll, entpuppt sich doch nur als simples Baukastenspiel und Puppenhaus. Schroeder reduziert die Komplexität unserer Lebewelt auf ein übersichtliches Modell, in dem die gleichen menschlichen und physikalischen Gesetze nach wie vor gelten. Das trägt zu keiner Erhellung in irgendeinem Sinne bei, obgleich es vor Sonnen wimmelt auf nur 5000 Kilometer - aber eben auch das nur eine Entsprechung der wirklichen Verhältnisse im wahren Universum. Putzig also die aus Holzplanken bestehenden Gehwege der Dörflein, die ihre Häuser wie auf der Innenseite einer Fahrrad-Felge angeordnet haben und um eine Nabe drehen, um etwas Schwerkraft zu erzeugen. Der wenige vorhandene Pflanzenboden wird von den Netzen freischwebender Farmen zusammengehalten. Innerhalb der Ballon-Welt ist an den meisten Orten ausreichend Luft. Wärme und Licht erzeugen Fusions-Dinger - kleine Sonnen -, wohl eine Hinterlassenschaft einer einstigen, technologisch hochstehenden, Macht.

Das alles kann klappen, wie viele Beispiele zeigen, die eher der Fantasy-Literatur zuzuordnen sind. Karl Schroeder beschreibt zeitweise jedes Seil, jede Planke, jedes verrostete Blech, die diese fragilen Habitatskonstruktionen zusammenhalten. Seine Welt schwebt, doch ihm fehlt die schwebende Leichtigkeit im Erzählstil. Mit Beiläufigkeit muss man den Leser in Welten eintauchen lassen. Nicht mit dem Holzhammer. Atmosphäre schafft er nie. Wenn er versucht zu sagen, eine Frau habe in ihrem üblichen Stil viele bunte Schichten Kleidung übereinander an und die Ringstadt, auf die man gerade zufliegt, sei von zahllosen bunten Fahnen geschmückt, bleibt das farblos. Wie wirkt denn nun diese Frau, wie wirkt der Anblick der Stadt?

Als großartigen Entwicklungsroman kann man "Planet der Sonnen" ebenso wenig sehen. Die Völkchen bekriegen sich wegen künstlicher Sonnen und landwirtschaftlicher Vorteile. Held 'Hayden's' Familie wurde in einem dieser Konflikte ausgelöscht. Jetzt naht der Zeitpunkt seiner Rache, doch er erkennt, dass die Person, auf die er jahrelang seinen ganzen Hass fixiert hat, sich ihm anders darstellt, als er sie während gemeinsamer Abenteuer genauer kennenlernt. Wir lernen: Urteile nicht vorschnell über Menschen. Dafür müssen wir 440 Seiten müde Piratenjagden in frei schwebenden Holzschiffen, tatsächlich eine banale Schatzsuche und völlig humorfreie Figuren über uns ergehen lassen.

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Besprochene Ausgabe: Heyne | 2010 | 448 Seiten | Broschur* | € 8,95
 
* Festeinband: harte Buchdeckel
  / Broschur: weiche Buchdeckel

 
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