22.05.2013         J. L. Bourne - Tagebuch der Apokalypse: Buchbesprechung Neue Bücher Romane Krimis Thriller Buchtipps Bestseller   
J. L. Bourne - Tagebuch der Apokalypse: Buchbesprechung Neue Bücher Romane Krimis Thriller Buchneuerscheinungen Bestseller Literatur

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- Tagebuch der Apokalypse

(2010) - Orig.: Day by day Armageddon (2009), engl.
Herb sachlich durch den Untergang
J. L. Bourne ist Schriftsteller und Armee-Offizier. Das trifft sich, beim Thema Apokalypse. "Tagebuch der Apokalypse" punktet mit Klarheit, Strukturiertheit und Schnörkellosigkeit. Kurz: Ein Zombie-Roman und ein zerstörtes US-Amerika, die sich völlig real anfühlen.  Von Franz Birkenhauer - sf magazin 12.11.2010

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Das Apokalypse-Thema ist für das beginnende 21. Jahrhundert wie der Werther Goethes für die Romantik. Denn es scheint bald nicht mehr nötig, sich den Strick zu nehmen oder sich zu duellieren, um einen Liebesschmerz auszulöschen. Nie war der drohende Untergang im Alltag, also ohne Kriegssituation, so spürbar, so omnipräsent in Luft, Nahrung, Wasser, Boden und den Ätherwellen der Nachrichtendienste, wie nun, zur Hochzeit des Industriezeitalters und des globalen Warentransfer-Wahns. Das Unwohlsein nährt sich aus allen Sinneserfahrungen, den Katastrophen, über die wir in den Nachrichten hören, dem, was wir nicht in Nahrung und Wasser schmecken können, die Gifte, von denen wir aber wissen, dass sie in stetig steigendem Maße drin sind. Wir tragen schlechtes Gewissen ständig mit uns rum, im Wissen, dass es von uns um ein Zehnfaches zuviel gibt, als dem Planeten gut tun würde. Wir warten auf die Reinigung und sind uns sicher, dass sie kommen wird. Keiner weiß jedoch, aus was sich das Purgatorium genau befeuern wird. Diese Unschärfe erhöht das Unbehagen. Dagegen war früher die Pest oder eine "Verheerung" eine klare Sache. Die Menschen wurden hin- und hergeworfen wie Halme. Heute verunsichert die Sicherheit, die schon viel zu lange anhält.

J. L. Bourne hinterfragt nicht das gängige Zombie-Konzept, dessen Untote nichts mit dem realen, mit Drogen und Hypnose arbeitenden Zombie-Kult zu tun haben. Der Zombie ist Metapher für richtungslose und willkürliche Bedrohung, die keine Gnade kennt. Der Untote ist der entmenschlichte Mensch. Das wird bei Bourne sprachlich deutlich: Zu Beginn der Katastrophe sind die Infizierten noch die "wiederauferstandenen Menschen" oder "die armen Schweine". Schließlich die Leichname, die Dinger, "ich erledigte es".

Bourne 's erster Tagebuch-Satz nimmt das Kommende vorweg: "Ich wünsche mir ein Frohes Neues Jahr." Nein, sein namenloser Tagebuch-Schreiber ist nicht sozial degeneriert. Durch seinen Soldatenjob wird er nur oft versetzt und ist tatsächlich an Neujahr zufällig gerade alleine in seinem neuen Haus. Mit einem Ersten Januar beginnt das Buch und dieser Wille zu Struktur wird sich durch das ganze "Tagebuch der Apokalypse" ziehen. Denn es wird ums Überleben gehen und nicht um Sentimentalitäten. Der Held muss sich in seinem Haus verbarrikadieren, als die Zombie-Horden von der Innenstadt San Antonio's aus die Vororte erreichen. Einige Tage später kann er Kontakt zu einem Nachbarn aufnehmen. 'John' ist Ingenieur und der Held Soldat - später soll noch eine Frau hinzukommen, die zufällig eine Art Krankenschwester-Ausbildung hat: Klar, mit diesem Kunstgriff baut sich J. L. Bourne ein Ensemble auf, dass zwar Ängste und Nöte wie jeder Mensch durchleben muss, aber immer die richtigen Kniffe und rationales Denken parat hat. Und genau das wird das Faszinierendste an "Tagebuch der Apokalypse" werden: Die Protagonisten bewahren ihre Menschlichkeit im Angesicht des Unfassbaren, gehen im Überlebenskampf aber keine Kompromisse ein. Cormac McCarthy 's "The Road" lässt grüßen. Das Töten, das Verbarrikadieren, das Reisen durch das tote Land werden lakonisch beschrieben und teils mit Akribie, ohne die Gewalt zu zelebrieren. Der Umschwung zum alltäglichen Tun von an sich Bestialischem kommt völlig nachvollziehbar und schockt so umso mehr. Ganz sachlich füllt der Held seinen Pestizidverstäuber mit Kerosin, stellt die Leiter an die Mauer seines Grundstücks und fackelt die Untoten auf der anderen Seite ab. Doch werden John und sein neuer Freund auf ihren Erkundungen mit genügend Schicksalen konfrontiert, die mittlerweile Untote meist in letzten Botschaften aufgezeichnet haben.

Freilich, der Leser lernt auch gefühlt alle Inch- und Millimeter-Kaliber von Schusswaffen kennen. Haben John und Freunde eins davon nicht, holen sie es aus dem nunmehr verlassenen Walmart. Für das Geschichtenerzählen, egal in welchem Medium, sind Waffen immer gut. Für ihre Omnipräsenz hassen und beneiden wir US-Amerika. Beneiden tun wir es auf jeden Fall um Autoren wie J. L. Bourne.

Besprochene Ausgabe: Heyne | 2010 | 368 Seiten | Broschur* | € 8,99


 

 

 

 
* Festeinband: harte Buchdeckel / Broschur: weiche Buchdeckel
 
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