20.05.2013         Elin Hilderbrand - Inselglück: Buchbesprechung Neue Bücher Romane Krimis Thriller Buchtipps Bestseller   
Elin Hilderbrand - Inselglück: Buchbesprechung Neue Bücher Romane Krimis Thriller Buchneuerscheinungen Bestseller Literatur

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- Inselglück

(2012) - Orig.: Silver Girl (2011), engl.
Zufluchtsort Nantucket
Eine von der Öffentlichkeit angeprangerte Millionärsgattin zieht sich auf die Insel zurück. Die Abgründe ihres Ehemanns, der als Anlagebetrüger im Knast sitzt, wird sie jetzt erst kennenlernen, in einer komplexen Kombi aus Krimi, Gesellschaftsroman und, ja, Chick Lit. Idylle ist anders.  Von Franz Birkenhauer - sf magazin 01.06.2012

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Vorweg: "Inselglück" ist ein gutes Buch. Man kann diese Besprechung aber auch mit einem bezeichnenden Dialog anfangen: "Mein Mann ist 2009 gestorben." - "Komisch", sagte Dan, "meine Frau ist auch 2009 gestorben. Brustkrebs." - "Gehirntumor", sagte Connie.
Elin Hilderbrand klotzt und kleckert nicht, mit den ganz großen Schicksalsschlägen, die durch die ganz großen Zufälle wieder wett gemacht werden. Ein Buch, das sein Gerüst mit solch markanten Eckpunkten aufbaut, sollte dazwischen wahrlich was zu bieten haben. Das tut "Inselglück". Dann ist da noch das große Thema Finanzkrise, das jetzt nach allgemeiner Belletristik und dem Krimi-Genre auch im despektierlich so genannten "Frauenbuch" angekommen zu sein scheint. Muss das sein? Es darf, bei Elin Hilderbrand; sie erzeugt damit ein zusätzliches Spannungsmoment ohne Plattitüden und üblichem Banker- oder Fondsmanager-Bashing. Doch was qualifiziert "Inselglück" dann doch zu - wie gesagt guter - Chick Lit? Die gefühlten 50 Füllseiten mit Essenszubereitung und Essensbeschreibungen - die liest MANN quer.

Für Millionärsgattin 'Meredith' wird die Insel Nantucket, die ist noch weiter draußen als Martha's Vineyard, vom Festland Massachusetts' aus gesehen, zum Zufluchtsort, nachdem ihr Mann als Anlagebetrüger entlarvt im Knast sitzt. Auch auf Meredith könnte eine Anklage zukommen und die Pressemeute belagert die New Yorker Stadtwohnung. So quartiert sie sich bei Freundin 'Conny' auf der Insel ein. Eine anfangs schwierige Konstellation, denn die Wege der einstigen innigen Schulfreundinnen verliefen nicht immer parallel. Aufarbeitung jüngster Querelen tut Not.
Freilich ist das nicht Meredith's einzige Sorge. Da ist die Sorge um den Ehemann und der Hass, den sie sich als Person des Öffentlichen Lebens in dessen Fahrwasser im ganzen Land zugezogen hat. Jeder kennt ihr Gesicht aus den Medien ...

Da ist der nette Polizeichef auf Nantucket, der gerufen wird, nachdem auf Conny's Haus groß "VERBRECHER" gesprüht wurde. Das soll nicht die einzige Attacke bleiben. Er fragt Meredith, ob denn auch auf der Insel durch ihren Mann geschädigte Anleger wohnen würden. In stumpfer Resignation zählt sie ein dutzend Namen auf, zusammen mit den jeweiligen Millionenbeträgen an Verlusten. Doch exemplarisch macht Elin Hilderbrand klar, dass Banker und Anleger zocken. Als sich Meredith mit aller Vorsicht ins nahe Städtchen traut, wird sie tatsächlich von einer vermeintlichen Freundin erkannt und verbal attackiert. Früher hatte diese sich ihr aufgedrängt und schließlich auf Knien gebettelt, dass ihr Mann und sie in den exklusiven, geheimnisvollen und marktunübliche Renditen abwerfenden Fond von Meredith's Ehemann investieren dürfen. Anderen Investoren hingegen wurden die Renditen unheimlich, und sie zogen rechtzeitig ihr Geld ab.

Nein, es geht nicht Richtung Kriminalroman, obwohl Hilderbrand mit Elementen daraus fesselnd spielt. Die beiden Freundinnen werden nach und nach ihre Vergangenheit aufarbeiten und versuchen, aus ihrer jeweiligen Isolation auszubrechen. Klar, auch in Liebesdingen. Kunstvoll entsteht ein immer facettenreicheres Bild einer Figur, die mit Wort und Tat innerhalb der Erzählgegenwart am wenigsten vorkommt: 'Freddy', der geniale Anlagebetrüger, weil er ja im Knast sitzt. Differenziert sinniert Meredith über seinen Werdegang und den gemeinsamen als Ehepaar. Und sieht sich in der Jetzt-Zeit durch Informationen ihres Anwalts, der wiederum Schnittstelle zum FBI ist und sich bemüht Meredith zu entlasten, plötzlich unbekannten Abgründen in Freddy's Wesen gegenüber, die nicht nur das Geschäftliche betreffen ...

So hat "Inselglück" viele Stärken. Es formt seine Charaktere für den Leser gleichermaßen aus der Rückschau wie aus den aktuellen Ereignissen. Es fragt, wie gut man den Menschen, der einem am nächsten steht, wirklich kennen kann. Es lässt lange rätseln, bei welchen Figuren moralische Integrität vorliegt, auch bei den liebevoll gezeichneten neuen Bekanntschaften Meredith's unter den Inselbewohnern; übrigens lebt Elin Hilderbrand am Sehnsuchtsort Nantucket - in echt.

Besprochene Ausgabe: Berlin Verlag | 2012 | 464 Seiten | Festeinband* | € 19,90


 

 

 

 
* Festeinband: harte Buchdeckel / Broschur: weiche Buchdeckel
 
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