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Leider nein. Reales FBI und CIA tun das schon lange. Wobei es denen nicht um den einzelnen Messer-Jocke geht, sondern ums große Ganze, um die Entwicklung ganzer Länder, herausgelesen aus dem Buzz der Wolke alles Digitalen. Klar, Science Fiction extrapoliert aus der Gegenwart, und wenn sie es nur sanft tut, ist das in Ordnung. Ganz schön altbacken kommt Charles Stross ' Near-Future-Thriller aus anderem Grund daher: Er bläst es ausgerechnet mit der guten alten, nicht auszumerzenden Kontroverse auf, dass jedes neue Medium die Verfügbarkeit und Verbreitung vermeintlich sexuell Abartigens provoziert und potenziert. "Rule 34", das ist ein Internet-Jargon-Kürzel, das besagt, "If it exists, there is porn of it." So hat DI Liz' Einheit den Spitznamen "Rule 34 Squad" weg. Und vor 150 Jahren erfand das Telefon Telefonsex. So what?
Bleibt ein guter Krimi, zweifelsohne, bei dem Stross ' Schottisch-Einlagen besonders Spaß machen, allerdings auch einen geübten Englisch-Leser erfordern. Auch schafft er es, mit dem ungewohnten Erzählstil in Zweiter Person, manche nennen das Logbuch-Stil, den Leser gut mit seinen Figuren verschmelzen zu lassen. Dieser Stil birgt eine immanente Lakonie, besonders passend zur desillusionierten Detektivin Liz, aber auch zu ihren mehr oder minder bösen Gegenparts, die aus mangelnder Entscheidungskraft in Dinge hineinschlittern. Ein Duktus, der der Hardboiled Novel entlehnt und weiterentwickelt ist.
Auch Liz' Rule 34 Squad hat trotz Tech-Gimmicks wie Augmented-Reality-Brillen und umfassenden Datenbanken immer noch das Problem, dass die Gauner oft einen Schritt voraus sind. So nutzt "The Gnome", Ex-Informatiker, das Aussieben Sozialer Netzwerke und Predictive Behavioral Targeting, also auch das, was Liz' Squad tut, die eben versucht, durch Monitoring bedrohliche Internet-Trends auszumachen, um kriminellen Aktivitäten auf die Spur zu kommen. Charles Stross extrapoliert hierbei die reale, bis dato noch nerdige Maker Subculture zu einer Bedrohung des konventionellen Kapitalismus: komplizierteste Codes zur Herstellung von Gegenständen in Maker Bots - fortgeschrittene 3D-Drucker - kommen, einmal geklaut und verbreitet, in Garagen und Hinterhöfen zur Anwendung. Seine "fabbers", Fabrizierer, erlösen uns vom Warenkreislauf?
"The Toymaker" beschäftigt einen ganzen Ring an Garagentüftlern und lässt sie Maschinchen herstellen, die nun wirklich abartig sind. Doch seine Geschäftspartner sterben weg wie die Fliegen - ermordet. Dann ist da noch der fiktive neue Staat "Issyk-Kulistan", so arm, dass er als eine Art "national downsizing" von Kirgisistan abgespalten wurde und sich nicht mal ein richtiges diplomatisches Corp leisten kann. Behauptet zumindest The Gnome und will Ex-Knacki 'Anwar' als Konsul für Schottland anheuern. Der schwankt nur kurz, weiß er doch über The Gnome, "But he disnae get caught. Ever." Auch der Anflug zu den Auftraggebern mit einer Antonov klappt, obwohl Anwars Telefon die letzte Durchsage des Bordlautsprechers mit "Impact in ten minutes" übersetzt. Man merkt schon, Charles Stross lächelt selber über die Tücken seiner Gimmicks und lässt seine gewieften Gauner selbst aus Scheißehaufen Geld machen: "Welcome to Issyk-Kul Airport, gateway to the capital of the Independent Republic of Issyk-Kulistan."
Besprochene Ausgabe: Ace | 2011 | 368 Seiten | Festeinband* | € 18,40
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1. John M. Cusick: Girl Parts - Auf Liebe programmiert (2011) - Orig.: Girl Parts (2010), engl.
2. Charles Stross: Rule 34 (2011), engl.
3. Elliott Hall: Den ersten Stein (2011) - Orig.: The First Stone (2009), engl.
4. Assaf Gavron: Hydromania (2009) - Orig.: Hydromania (2008), engl.
5. Walter Jon Williams: Off (2009) - Orig.: This is Not a Game (2009), engl.
Madeline Ashby:
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Markus Stromiedel:
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John Ringo:
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Ian Whates:
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Ernest Cline:
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John M. Cusick:
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